BLUEWAVEFILMS

Filmen in 3D

Die dritte Dimension – Filmen in 3D, unter Wasser!

Die Welt unter der Wasseroberfläche ist eine dreidimensionale. Jeder, der schon einmal geschnorchelt hat oder begeisterter Taucher ist, kennt das Gefühl der Schwerelosigkeit und des Dahingleitens über den Meeresboden. Die Korallenriffe der Tropen schreien geradezu danach, in all ihrer Pracht und Schönheit einfangen zu werden. Was bietet sich mehr an, als die dreidimensionale Unterwasserwelt also in stereoskopischer Ansicht, in einem dreidimensionalen Unterwasserfilm festzuhalten? Aber geht das für Hobbyfilmer überhaupt? Vor allem, geht das in vernünftiger Qualität und ohne ein kleines Vermögen für die Kamera(s) auszugeben?

Seit ich vor einigen Jahren zum ersten Mal im IMAX-Kino saß und James Camerons Doku-Unterwasserfilme in 3D sah, und dann später natürlich Avatar, ging ich mit der Idee schwanger selbst stereoskopische Filme unter Wasser zu drehen. Das Ergebnis meiner anfänglichen Recherche war jedoch bis vor kurzem ernüchternd:

Stereoskopie ist ein extremes Rumgebastel, das oft frustrierend ist. Vernünftige Informationen findet man nur selten im Netz. Als Wissensquelle am ehesten noch zu empfehlen ist das Stereoforum. Dort gibt es eine einige hilfsbereite Leute. Soviel zum notwendigen technischen Wissen, doch was gibt es eigentlich für erschwingliche Kameras, wenn man keine Lust hat sich aus zwei konventionellen Kameras eine 3D-Kamera zu basteln? Zwar kamen inzwischen die ersten Consumer 3D-Camcorder von JVC und Panasonic auf den Markt, doch sind beide noch technisch verbesserungswürdig und kosten so um die 1.500 Euro. Hinzu kommt dann noch ein Unterwassergehäuse von 2.000-3.000 Euro. Also alles in allem waren die Lösungen für den Einsteiger nicht ganz günstig.

Doch diese Situation änderte sich, als im März 2011 GoPro, der Hersteller der bekannten Hero-Actionkamera ein 3D-System auf den Markt brachte, das 3D Hero System. Die Hero an sich ist bereits eine kleine, aber feine Kamera, die immer dann eingesetzt wird, wenn es mit normalen Kameras etwas zu eng oder gefährlich wird. Sie verfügt über ein lichtstarkes Objektiv (1:2,8) und ist extrem weitwinklig. Selbst bei der FullHD-Auflösung hat sie noch einen Blickwinkel von 127 Grad. Das Rauschverhalten ist für so eine kleine Kamera bemerkenswert gut. Und sogar ein standardmäßiges Unterwassergehäuse gibt es für dieses 3D-System. Allerdings sind die von GoPro in dem Gehäuse verbauten Linsen alles andere als tauglich für Unterwasseraufnahmen.

(GoPro 3D Hero System mit Griff von Stefan Wiessmeyer)

Doch auch hierfür gibt es eine Lösung. Stefan Wiessmeyer aus Krailling bei München baut die Gehäuse um und stattet sie mit speziellen Linsen aus, die dem Bild unter Wasser ein besseres Kontrastverhältnis und eine bessere Schärfe verleihen. Darüber hinaus gibt es bei ihm jede Menge Zubehör für die Kameras. Unter anderem einen Kameragriff und sogar ein Beleuchtungssystem, speziell für die GoPro Hero. Von den Kosten her ist das 3D-System momentan unschlagbar. Für etwas mehr als 700 Euro bekommt man zwei Hero-Kameras mit Synchronkabel, das UW-Gehäuse (dicht bis 60m) sowie den erwähnten Griff. Damit kann es eigentlich losgehen.
Ach halt, einen Haken hat das System doch noch… Nachdem die beiden Kameras per Synchronkabel verbunden werden, ist es nicht möglich das sonst optional erhältliche Display anzuschließen. Man sieht also nicht, was man filmt! Ganz so wie früher, in der guten alten Zeit, als Tauchpioniere wie Hans Hass das Meer eroberten… Mit Filmkameras, die klobig und schwer waren und ohne optischen Sucher…

Doch die Aufnahmen damals, in den 50er Jahren gelangen den Filmern auch mit etwas Übung, warum sollte das also heute nicht auch gehen? Ich begann also in meinen alten Hans Hass Büchern zu suchen, die mich schon als Kind fasziniert hatten, und denen ich wohl auch meine Liebe zum Meer zu verdanken habe, und wurde tatsächlich fündig. Der große Tauchpionier behalf sich mit einer Art Fadenkreuz, das über der Kamera befestigt war, um das Bildmotiv anzuvisieren.

Jetzt mußte ich nur noch herausfinden, welchen Bildbereich ich erfassen würde, wenn der „Sucher“ bzw. das Fadenkreuz eine bestimmte Größe hatte. Nachdem ich mir einige Dummies aus Pappe angefertigt hatte (man muß außerdem berücksichtigen, daß Wasser den Blickwinkel nochmals um 20% verengt), kannte ich die Maße und ließ mir ein entsprechendes Stück aus einem 5mm Aluminiumblech zurechtfräsen, strich es schwarz an, denn glänzendes Metall kann immer die Neugierde von Meeresbewohnern wecken, und klebte es mit Silikon an die Rückwand des UW-Gehäuses.

(Meine um einen Sucher erweiterte GoPro 3D Hero System)

Hier muß ich zugeben, daß das Filmen mit so einer Kamera schon einen gewissen Retro-Effekt hat. Es gibt nun mal kein Display, auf das man starren kann.

Doch dies kann auch ein Vorteil sein. Als ich 2010 zum ersten Mal Mantas fotografieren konnte, habe ich mich auch etwas geärgert, weil ich die eigentliche Majestät der Tiere in Natur kaum mitbekam, selbst wenn sie mit weit aufgerissenem Maul wenige Meter vor mir waren, denn auf dem Display waren die vier Meter breiten Tiere winzig.

Das ist mit meinem modifizieren GoPro 3D Hero System anders. Ich sehe auf natürliche Weise alles vor mir und habe gleichzeitig die Kontrolle über das, was ich filme. Richtig spannend wird es dann natürlich erst, wenn ich den Inhalt nach dem Tauchen auf mein MacBook herunterlade. Zum Glück muß ich nicht noch warten, bis der Film entwickelt ist, wenigstens das hat man als 3D-Pionier den Tauchpionieren voraus. Wobei wir eigentlich schon beim zweiten wichtigen Thema sind. Wie wird denn aus zwei 2D-Filmen ein 3D-Film?

Auch hier ist der Aufwand gegenüber dem „normalen“ Filmen größer. GoPro liefert als kostenlosen Download für PC und Mac die Software Cineform Studio mit. Diese ist die einfachste und abgespeckteste Version der recht mächtigen Cineform-Software, die gerne auch mal bis zu 1.000 Dollar kosten kann. Tutorials für den richtigen Umgang gibt es auf der Website von GoPro.

(Cineform Studio gibt es als kostenlosen Download)

Im Prinzip geht es jedoch so: Man lädt die Inhalte der beiden Speicherkarten auf den Rechner und importiert sie in Cineform. Die Software erkennt automatisch welche Files zusammengehören und zeigt das entsprechend an. Nun kann man die besten Szenen herausschneiden und für die weitere Verarbeitung in 3D exportieren.

Dazu ist zu sagen, nachdem die Hero ohne Display nur sehr wenig Strom verbraucht, sind zwei Stunden Videodreh an einem Stück kein Problem. Man läßt die Kamera am besten die ganze Zeit während des Tauchgangs laufen. Bei Verwendung von 16GB Speicherkarten hat man dann auch genügend Platz für diese zwei Stunden Filmmaterial. Sagen wir mal so, der sinkende Luftdruck in den Flaschen wird einen früher an die Oberfläche zurücktreiben, als eine volle Speicherkarte oder ein leerer Akku.

Doch zurück zum Bearbeiten des Filmmaterials… Im zweiten Bereich von Cineform kann man Korrekturen am 3D-Material vornehmen. Diese Korrekturen und deren Notwendigkeit werden in den oben erwähnten Tutorials eingehend erklärt. Ist man auch damit fertig, kann der fertige 3D-Clip exportiert werden. Hierbei gibt es nun drei Möglichkeiten:

Einmal der Export für YouTube im Side-by-Side Modus. Dieser ist zwingend nötig, damit YouTube das Video in die anderen Formate wandeln kann.

Als zweites ist es natürlich möglich in den jeweils eingestellten 3D-Modus zu exportieren. Ich habe mir recht bald einen günstigen 3D-Monitor von LG zugelegt, der aus der zeilenweisen Verschachtelung 3D-Bilder machen kann. Will ich es auf diesem Monitor betrachten, muß ich also diesen Modus wählen.

Und zu guter Letzt ist es natürlich möglich den Clip auch in 2D ausgeben zu lassen. Der versierte User wird jetzt bereits bemerkt haben: Hoppla, da braucht man aber viel Platz auf der Festplatte! Ja, genau, so ist es! Man hat alleine durch die Aufnahme bereits die doppelte Menge an FullHD-Material. Hinzu kommen dann noch die daraus generierten 3D-Clips sowie die daraus exportierten 3D-Clips für den jeweiligen Anwendungsfall.

Und noch einen Nachteil hat die Geschichte. Man muß eigentlich schon jetzt wissen, was man mit dem Clip später machen will. Will ich ihn zum Beispiel für YouTube nutzen, braucht man Side-by-Side.

Nach dem Exportieren kann man die Clips dann in ein beliebiges Schnittprogramm importieren. Also z.B. Premiere auf dem PC oder iMovie bzw. Final Cut am Mac und kann sich dann damit weiter spielen.

(Weiterverarbeitung in Schnittsoftware, hier Final Cut)

Doch halt, was ist mit Titel, Abspann und so weiter? All das läßt sich mit Cineform Studio nicht generieren. Hier sind nur einfache Anpassungen und Bildkorrekturen möglich. Will man sein Video professioneller präsentieren, also mit Logo und Texten, braucht man zusätzliche Hilfsmittel, wie am PC den StereoMovieMaker. Bei Macusern sieht es noch etwas mau aus. Es sei denn, sie verfügen über ein 3D-Programm wie z. B. Cinema 4D R13. Denn hier kann man sich ab Release 13 sogar stereoskopische Videos generieren lassen. Diese können dann animierte Titel und Logos sowie sonstige Effekte sein, die dann einfach in die Schnittsoftware eingefügt und mit dem restlichen Video gerendert werden. Wem das zu umständlich ist, bzw. wer nicht über Cinema 4D oder eine ähnliche Software verfügt, der kann 300 Dollar in Cineform Neo investieren. Die Software generiert stereoskopische Titel und kann Grafiken stereoskopisch einbetten.

(Stereoskopische Logoerstellung in Cinema 4D R13)

Noch ein paar offene Worte zum Filmen mit dem 3D Hero System. Das Filmen damit ist – wie schon erwähnt – anders… Man hat kein Display und die Kamera ist klein und leicht. Selbst mit dem Griff ist es anfangs schwierig die Kamera ruhig und wackelfrei zu halten. Beim Schnorcheln ist es noch um einiges schwieriger als beim Tauchen, wo man sich perfekt austarieren kann. Oder können sollte…

Das Objektiv ist extrem weitwinklig, was für UW-Aufnahmen eigentlich gut ist, dennoch bedeutet dies, daß man verdammt nah ran ans Objekt muß, zoomen kann man nicht. Nicht jedes Tier gestattet jedoch diese Nähe, bzw. oft ist es auch nicht empfehlenswert. Einen sein Gelege bewachenden Riesendrückerfisch würde ich damit zum Beispiel nicht filmen wollen.

Auch das Rauschen wird mit zunehmender Tiefe natürlich schlimmer, was bei 3D nahezu den ganzen Effekt zerstören kann. Es gibt allerdings ein ziemlich gutes Lichtsystem für die GoPro, das eine vollständige Ausleuchtung des ganzen Aufnahmebereichs ermöglicht. Auch ist der Griff dadurch schwerer, was immer besser ist, wenn es darum geht ruhig aus der Hand zu filmen.

Dem GoPro-3D-Set liegen auch ein paar Rot/cyan-Brillen bei. Damit ist es möglich auch an einem normalen nicht-3D-fähigen Monitor, wie dies bei den meisten Nutzern wohl noch der Fall sein wird, die Videos dreidimensional zu sehen. Allerdings ist die Qualität dieser Brillen ziemlich miserabel. Die Rot/cyan-Brille, die z.B. bei Cinema 4D R13 beiliegt ist deutlich weniger farbstichig. Es lohnt sich hier also andere Modelle auszuprobieren, zumal diese oft nur zwei oder drei Euro kosten. Wobei hier die billigen Papierbrillen denen aus Kunststoff vorzuziehen sind, da bei den Papierbrillen eine exakt auf den richtigen Farbton belichtete Folie eingesetzt wird.

Wer jetzt an 3D-Aufnahmen Gefallen gefunden hat, wird sich bestimmt bald einen 3D-Monitor kaufen wollen. Mit unter 300 Euro kosten diese nicht mehr die Welt. Doch auch hier gilt es einige Dinge zu beachten. Meine stoplrigen Anfänge können im Stereoforum nachgelesen werden…

Die Technik ist noch nicht perfekt, weder bei den Monitoren, noch bei den TVs oder den Kameras. Es gibt noch viel Entwicklungspotential in allen Bereichen, doch 3D ist auf dem Vormarsch. Spätestens, wenn 3D-TVs ohne Brille erschwinglich werden wird die Technik sich durchsetzen. Und dann ist es doch ganz nett, wenn man bereits einen privaten Fundus an Filmen rumliegen hat, den man sich an einem kalten Winterabend ansehen und vom nächsten Tauchurlaub träumen kann – natürlich in 3D!

Testvideo zum Filmen in 3D:

5 Kommentare zu “Filmen in 3D

  1. Peter Neher

    Wir beschäftigen uns mit der Frage was getan werden muss um die Filme mit normalen 3D Brillen zu sehen. Geht das nur am Fernseher? Von einem 3D Monitor abgesehen…. Toller Beitrag , weiter so, und viele Grüße aus Ulm.

    Peter Neher
    Picslocation

    1. bluewavefilms

      Was sind denn „normale 3D Brillen“? Die aus dem Kino? Die alten Rotcyan-Brillen? Für jeden TV/Monitor gibt es unterschiedliche Technologien, bzw. unterschiedliche Brillen. So ist das leider. 3D wird vermutlich erst richtig interessant werden, wenn es ohne Brille funktioniert.

  2. Dirk Merkel

    Mich interessiert, ob es einen Griff mit Sucher für das Dualgehäuse zu kaufen gibt.
    Ich würde sehr ungern mit Silikon auf das Gehäuse gehen.

    1. bluewavefilms Autor des Beitrags

      Hallo Dirk,

      Griffe gibt es inzwischen sehr viele für Actioncams, da die beiden Kameras aber über ein Kabel miteinander verbunden werden müssen, ist es nicht möglich zusätzlich einen (elektronischen) Sucher zu verwenden.

      Schöne Grüße
      Andreas

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