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Schnorcheln mit Pottwalen, Dominica

Wir waren vom 4. bis zum 14. Februar 2024 auf der Antilleninsel Dominica, um dort mit Pottwalen zu schnorcheln. Organisiert und durchgeführt wurde die Reise von Behind the Mask Travel. Einem speziellen Anbieter von Tauchreisen. Im Reisepaket mit enthalten waren fünf Ausfahrten zu den Walen, inklusive der hierfür nötigen Permit, die vom Staat Dominica erteilt wird.

Dominica Airport
Ankunft am Airport Dominica.

Unsere Kurz-Doku über das Schwimmen mit Pottwalen:

Swimming with sperm whales in Dominica 2024 from BLUEWAVEFILMS on Vimeo.

Anreise nach Dominica

Bevor es zum Schnorcheln mit Pottwalen kommt, bleibt einem nichts anderes übrig, als sich auf die weite Reise in die Karibik zu begeben. Wir flogen in der Früh um 7:45 Uhr mit British Airways von München über London nach Barbados. Von dort aus ging es am Abend mit InterCaribbean weiter nach Dominica. Die Reisezeit von Türe zu Türe betrug insgesamt knapp 24 Stunden.
Wobei hiervon gut eineinhalb Stunden Busfahrt nötig waren, um vom im Norden von Dominica gelegenen Flughafen zu unserer Unterkunft, dem Fort Young Hotel in der Hauptstadt Roseau zu gelangen.

Fort Young Hotel Roseau Dominica
Blick vom Jetty der Dominica Divers auf das Fort Young Hotel.

Die Unterbringung im Fort Young Hotel

Das Fort Young Hotel dürfte eines der besseren Hotels auf Dominica sein, auch wenn man hier keinen europäischen Standard erwarten darf. Das Zimmer war sauber und der Service an der Rezeption hervorragend. Allerdings gab es in den anderen Hotelbereichen starke individuelle Performanceschwankungen. Von kompletter zeitlicher und logistischer Überforderung beim Mixen eines Mai Thai, bis zu sofortiger Hilfe bei defektem Zimmer-Safe war alles dabei.
Als absolut hervorragend und überaus zuverlässig können wir aber die sehr schnelle Internetverbindung des Hotels hervorheben. Auch das WLAN ist nicht nur überall im Hotel gut verfügbar, sondern sogar bis kurz vor dem einigen hundert Meter entfernten Supermarkt. Darüber hinaus stand auf dem Zimmer sogar ein eigener Router.
Das Essen im Restaurant des Hotels war, wie auch sonst fast überall in den Restaurants von Roseau eher als ABFFC (Amerikanisch-Britisches-Fast-Food-Crossover) zu betrachten. Immerhin hatte die Küche im Hotel bis 21:00 Uhr geöffnet, was in Roseau eher die Ausnahme ist. Wie so oft bei karibischen Inseln, sollte man die Erwartungen an gewisse Standards daher besser niedrig halten.
Ganz besonders dann, wenn die Haupteinnahmequelle der verschiedenen Restaurants Kreuzfahrttouristen sind, die um 18:00 Uhr mit Ihrem Schiff wieder weiterfahren. Daher schließen nahezu alle Lokale gegen 17:00 Uhr, was uns vor die tägliche Herausforderung stellte bis 16:00 Uhr unser Abendessen aufzutreiben.
Am besten denkt man für die kurze Zeit auf der Insel nicht daran, wie manche Dinge anderswo auf der Welt laufen und akzeptiert einfach die karibische Gelassenheit.
Wir hatten im Hotel aufgrund unserer immer von 7:30 Uhr bis 13:30 Uhr geplanten Ausfahrten zu den Pottwalen keinerlei Verpflegung gebucht. Für ein Frühstück sorgten wir also selbst, was durch den direkt am Hafen gelegenen Supermarkt auch kein Problem war.
Der größte Vorteil des Hotels und eigentlich der Grund dort abzusteigen, ist der Jetty der hoteleigenen Tauchbasis Dominica Divers, der direkt ans Hotel führt. Allerdings konnten wir diesen nur an zwei der fünf Tage nutzen, an den anderen war die Welle zu hoch, um auf unser Boot zu gelangen. In solchen Fällen, schleppt man sein gesamtes Equipment einige hundert Meter zum Fährterminal. Von der Tauchbasis darf man sich übrigens keinerlei Unterstützung erwarten. Es ist nicht möglich dort Anzüge zu trocknen oder die ABC-Ausrüstung zu deponieren.

Schnorcheln mit Pottwalen auf Dominica – Bingo
Das von Kapitän Jerry und Werner betriebene Sportfischerboot Bingo hat uns gut zu den Pottwalen gebracht.

Schnorcheln mit Pottwalen auf der Bingo

Die Bingo ist ein Sportfischerboot, das zum Schnorcheln mit Pottwalen „zweckentfremdet“ wird. Im Heckbereich befindet sich auch der für solche Boote übliche Sitz fest verschraubt am Boden, mitsamt sämtlichen Angelhalterungen. Die Rumpfform liegt bei stärkeren Wellen nicht sehr stabil im Wasser. Wer leicht seekrank wird, sollte vor der Ausfahrt entsprechende Medikamente nehmen.
Ins Wasser gelangt man über die Bordwand am Heck, von wo man sich auf eine schmale Plattform herunterlassen kann, über die es möglich ist sich leise ins Wasser gleiten zu lassen.
Wir waren insgesamt sechs Schnorchler auf dem Boot. Normalerweise können es aber bis zu sieben Personen inkl. Guide sein. Dürfen alle Schnorchler gleichzeitig ins Wasser, was je nach Situation und der Anwesenheit von anderen Schnorchelbooten entschieden wird, wird der Platz am Heck knapp und zwei bis drei Schnorchler können erst ins Wasser, nachdem die anderen bereits auf dem Weg zu den Walen sind.
Kapitän Jerry und seine rechte Hand Walter betreiben die Bingo. Gerade was die Chancen Wale zu sehen betrifft, ist Jerry schonungslos ehrlich. Wenn es seiner Ansicht nach zu viel Welle gibt, wird nicht herausgefahren. Gleiches gilt, wenn man keine Wale mit dem Hydrophon hören kann. Man wird also nicht verarscht, wie das an anderen Orten auf der Welt bezüglich der Chancen bestimmte Tiere sehen zu können oft üblich ist.
Auf der Bingo gibt es von Wasser und gelegentlichen Früchten abgesehen keinerlei Verpflegung. Will man eine kleine Brotzeit zu sich nehmen, hat man diese selbst im Supermarkt zu organisieren.
In dem Zeitraum, in dem wir unsere Ausfahrten mit der Bingo geplant hatten, hatten wir anfangs Pech mit dem Wetter. Zwei Tage hintereinander (6. und 7. Februar) waren die Wellen zu hoch für eine Ausfahrt, bzw. konnte weder der Jetty beim Hotel noch der Anlegeplatz am Fährhafen benutzt werden.
Zum Glück galt jede der fünf Permits, die wir für die Ausfahrten zu den Walen hatten innerhalb eines Zeitraums von zehn Tagen und zum Glück hatten wir etwas zeitlichen Puffer in der Reiseplanung, weshalb ein Verschieben der Ausfahrten nach hinten für uns kein Problem war.

Schnorcheln mit Pottwalen auf Dominica 2024

Doch auch als wir am 8. und 9. Februar erstmals zu den Walen herausfahren konnten, waren die Wellen am ersten Tag so hoch, daß es schwer war etwas auf der Oberfläche zu erkennen. Auch mit dem Hydrophon war aufgrund der lauten Wellen nichts an Klicklauten zu hören.
Bei der zweiten Ausfahrt war das Wetter deutlich besser und die Wellen niedriger, doch Wale waren weder zu sehen noch im näheren Umkreis zu hören. Somit stieg die Spannung in unserer Reisegruppe, denn zeitlich konnten wir nichts mehr weiter nach hinten schieben. Es hieß also in den nächsten drei Tagen Pottwale zu sehen oder unverrichteter Dinge abzureisen.
Das Meer beruhigte sich weiter und zu beginn der dritten Ausfahrt kam Jerry bereits mit dem freudigen Ausruf der alten Walfänger „There she blows!“ in den Fährhafen gefahren. Mit hoher Geschwindigkeit ging es diesmal auf das Meer hinaus und wir hatten endlich unsere ersten Begegnungen mit Pottwalen beim Schnorcheln.
Besonders glücklich war neben dem besseren Wetter für uns auch der Umstand, daß das fast täglich in Roseau anlegende Kreuzfahrtschiff Schwierigkeiten beim Anlegemanöver hatte und so keine Passagiere an Land konnten, weshalb alle konventionellen Whale-Watching-Boote im Hafen blieben.
Doch zurück zu den Pottwalen. Pottwale ignorieren Schwimmer in den meisten Fällen. Rückt man ihnen zu nahe auf die Pelle, tauchen sie flach ab und sind für die nächsten Minuten verschwunden. Jüngere Tiere nähern sich durchaus Schwimmern und checken diese ab. Diese kurzen Augenblicke sind natürlich die absoluten Highlights, die einen alle Mühen der Reise vergessen lassen.
Schnorcheln mit Pottwalen ist eine relativ sportliche Sache, wenn man einen guten Tag bei den Tieren erwischt. Gut und gerne klettert man locker über zwölfmal pro Tag aus dem Boot auf die Plattform und nach der Begegnung wieder zurück ins Boot. Dazwischen heißt es mit den Tiere mitzuhalten. Denn, wenn ein Pottwal nur leicht mit der Fluke schlägt, erzeugt er ordentlich Schub. Unsere Empfehlung lautet daher, auf jeden Fall Apnoe-Flossen mitnehmen und vorher auch ausreichend Flossenschwimmen üben, damit die Muskeln fit genug sind.
Bremsend und eher hinderlich sind auch große Kameragehäuse. Mit ActionCams oder Kompaktkameras macht man sich das Vorankommen deutlich leichter.
Auch am nächsten und übernächsten Tag hatten wir Glück bei den Ausfahrten und besonders an Sonntag, 11.2. gab es eine Begegnung mit einem halbwüchsigen Pottwal die ihresgleichen sucht und die sich für alle Zeit in unser Gedächtnis und unsere Herzen gebrannt hat.
Insgesamt hatten wir bei fünf Ausfahrten an drei Tagen Begegnungen mir Walen. Am letzten Tag sogar mit einem vereinzelt umherschwimmenden Grindwal, der gut eine Stunde in unserer Nähe war und uns immer wieder animiert hat zu ihm zu kommen, bevor wir ihn an andere Walschwimmer übergaben.

Schnorcheln mit Pottwalen auf Dominica 2024

Klartext zum Schnorcheln mit Pottwalen auf Dominica

Obwohl wir mit den drei geglückten Ausfahrten eine wundervolle Zeit bei den Pottwalen hatten, müssen wir doch an dieser Stelle auch ein paar klärende Worte anbringen. Leider ist es auf Dominica derzeit (Stand: Mitte Februar 2024) so, daß die Wale als Gelddruckmaschinen betrachtet werden. Durch die von der Regierung vergebenen, teuren Permits erliegt man schnell dem Irrtum, man würde damit ein exklusives Recht zum Schwimmen mit Pottwalen erwerben.
Dem ist überhaupt nicht so! Momentan haben sechs Boote die Lizenz, um mit jeweils sechs Gästen und einem Guide zu einem gesichteten Pottwal oder zu einer Schule Pottwale zu fahren. Hinzu kommen die zahlreichen Whale Watching Boote zu denen man in Konkurrenz steht und die illegalen Boote, wie einen Katamaran, der ganz offen Fahrten ohne teure Permit zum Schwimmen mit Pottwalen anbietet. Darüber hinaus kann die Regierung, wenn viele Wale vor Ort sind spontan zusätzliche Permits erteilen.
Das Ergebnis all dieser Umstände ist, daß die Wale über alle Maßen bedrängt werden und unterm Strich weder die Wale, noch die Touristen etwas von den dann nur noch kurzen Begegnungen haben.
Angeblich tritt am 1. März 2024 ein Schutzgebiet auf Basis neuer gesetzlicher Vorgaben in Kraft. Nach diesen dürfen nur maximal drei Whale-Snokling-Boote an einen Wal, bzw. eine Schule Pottwale. Dies sind vermutlich immer noch zu viele, aber immerhin schon eine leichte Besserung. Ob in diesem Schutzgebiet wirklich, wie versprochen, ein Monitoring stattfinden wird und Zuwiderhandlung und Verstöße zukünftig bestraft werden, wird sich erst noch zeigen müssen. Im Augenblick sieht es jedenfalls nicht danach aus, denn Geld regiert auch auf Dominica die Welt.
Wobei dies ein auch guter Zeitpunkt ist, etwas in die Vergangenheit von Dominica und dessen Beziehung zu den Pottwalen zu blicken. Bis in die frühen 2000er Jahre hat Dominica bei den Konferenzen der IWC (International Whaling Commission) immer stramm für die Anträge Japans zur Wiederaufnahme des kommerziellen Walfangs gestimmt. Im Gegenzug erhielt Dominica Unterstützung in Form von Infrastrukturprojekten.
Der jahrelangen Arbeit von engagierten Artenschützern ist es zu verdanken, daß die Regierung von Dominica auf diese „Hilfen“ von Japan nun verzichtet und stattdessen Whale Watching und Whale Snorkling kommerzialisiert hat. Dies geschah nach dem Motto „Schützen durch Nützen“, das durchaus an zahlreichen Orten der Welt erfolgreich angewandt wird.
Momentan wird der Kommerz aber vor das Wohl der Pottwale gestellt. Es bleibt also nur zu hoffen, daß in dem neuen und weltweit bisher einzigen Pottwal-Schutzgebiet auch wirklich kontrolliert und sanktioniert wird.

Schnorcheln mit Pottwalen auf Dominica 2024

Fazit zum Schnorcheln mit Pottwalen

Wenn man verrückt nach Pottwalen ist, ist Dominica der Ort auf der Welt, an dem man derzeit die besten Chancen hat. Nimmt die Übernutzung der Pottwale aber weiter zu und entfaltet das neue Schutzgebiet nicht den gewünschten Ausgleich zwischen touristischer Nutzung und Walschutz, werden sich die Wale weiter von der Insel zurückziehen und die Ausfahrten werden mit Sicherheit weniger ergiebig ausfallen.
Würden wir es nochmal machen? Wenn das Schutzgebietsgesetz tatsächlich in Kraft tritt und vor allem auch durchgesetzt werden sollte, definitiv ja.

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