BLUEWAVEFILMS

Video schärfen – die richtige Schärfe fürs Videobild

Ratschläge fürs Video schärfen: Wir klären die 6 Faktoren, welche die Schärfe in Videos maßgeblich beeinflussen. Und in in welchen Details die Tücken versteckt sind.

Überblick übers Video schärfen  – dies gilt übrigens nicht nur für Aufnahmen unter Wasser…

– Autofokus bzw. Fixfokus
– Tiefenschärfe
– Framerate
– Auflösung
– Digitales Nachschärfen
– Schärfeverlust durch Wasser

Anders als in der Fotografie, bei der die Bildschärfe im Prinzip durch den Fokuspunkt, die Tiefenschärfe und natürlich die Qualität der verwendeten Optik sowie deren Brennweite festgelegt wird, spielen in der Videografie auch noch die Framerate, also die Zahl der pro Sekunde aufgenommenen Bilder und der Algorithmus, der die Bilder während der Aufnahme nachschärft eine große Rolle für die Schärfe des Videos.
Sehen wir uns also an, wie wir die Schärfe eines Videos beeinflussen können, bzw. was die wichtigsten Faktoren sind.

Autofokus bzw. Fixfokus

Der Fokus muß präzise auf dem Objekt sitzen, das man filmen will. Hierbei ist man an die Möglichkeiten der eigenen Kamera gebunden. Grundsätzlich bieten moderne Kameras die Möglichkeit zur manuellen Fokussierung sowie zur Verwendung des Autofokus.

Beim Autofokus ist gerade in Situationen in denen das Licht knapp ist – und dies kann unter Wasser häufiger der Fall sein – entscheidend, ob er dann noch gut genug funktioniert, um während der Aufnahme nicht den Fokuspunkt zu verlieren.
Kameras mit phasenbasiertem Autofokus sind hier gegenüber Kameras mit kontrastbasiertem Autofokus klar im Vorteil.

Video schärfen - AF

Der AF sollte präzise auf dem Motiv sitzen.

Sofern das Unterwassergehäuse es zuläßt, ist auch eine manuelle Fokussierung möglich. Diese ist oft bei schlechtem Licht, schlechter Sicht und bei Makro-Aufnahmen nötig. Bei allen anderen Aufnahmen, vor allem solchen, in denen Tiere sich schnell bewegen, ist es wichtig, daß die Kamera einen zuverlässigen dynamischen Autofokus hat, der dem Objekt beständig folgt.

Eine Besonderheit, die man vor allem bei ActionCams findet ist der sogenannte Fixfokus. Hierbei kann man den Fokus überhaupt nicht verändern. Dank der sehr geringen Brennweite der Objektive von ActionCams, haben diese Kameras einen Schärfebereich, der von ca. 10cm bis nach unendlich geht.
Gerade bei vielen Schwebeteilchen im Wasser besteht bei einem Fixfokus keine Gefahr, daß die Kamera ihren Fokus verliert.

Ausgefeiltere Kameras, wie etwa SLR und Systemkameras, verfügen auch über die Möglichkeit ihren Autofokus zweitweise abzuschalten und auf diese Weise einen vorübergehenden Fixfokus zu erstellen, der besonders bei schlechten Sichtverhältnisse noch die eine oder andere Aufnahme retten kann.

Tiefenschärfe

Auch die Tiefenschärfe spielt eine entscheidende Rolle wenn es darum geht Video scharf abzubilden. Die Tiefenschärfe ist als der Teil des Bildes definiert, in dem ein Objekt scharf abgebildet wird.
Der Rest Bildes, zum Beispiel die Korallen hinter einem Fisch, können außerhalb dieses Bereiches liegen und unscharf sein. Dadurch hebt sich der Fisch gut von seinem Hintergrund ab und die Aufnahme wirkt „filmisch“.

Video schärfen

DIe Tiefenschärfe bestimmt, wie weit der Bereich zwischen Objektiv und Unendlich geht, in dem ein Motiv scharf abgebildet wird.

Die zur Verfügung stehende Tiefenschärfe ist ganz entscheidend von der verwendeten Brennweite abhängig. Grundsätzlich gilt: Je länger die Brennweite, desto geringer die Tiefenschärfe. Es macht also einen Unterschied, ob man einen großen Schwarm mit 12mm oder mit 60mm filmt. Bei der langen Brennweite kann es daher sein, daß Teile des Schwarms außerhalb des Schärfebereichs liegen.

Framerate

Der Framerate, bzw. der Bildwiederholrate/Bildrate haben wir auf unserer Website bereits eine ganze Sonderseite gewidmet, denn auch sie ist ein wesentlicher Faktor für den Schärfeeindruck eines Videos. Grundwissen zur Bildrate/Framerate bitte hier nachlesen.
Grundsätzlich gilt jedoch: Je weniger Bilder pro Sekunde die Kamera aufnimmt, desto größer ist die Bewegungsunschärfe.

Aus dem Kino kennen wir 24 Bilder pro Sekunde (fps), dies entspricht auch ziemlich der Bewegungsunschärfe die entsteht, wenn wir schnell den Kopf von links nach rechts bewegen. Statische Objekte vor unseren Augen erscheinen während der Bewegung an den Rändern unscharf.
Auch die im TV üblichen Bildraten von 25 fps (PAL) und 30 fps (NTSC) sind noch nah dran an diesem natürlichen Eindruck der Bewegungsunschärfe.

Will man diese Bewegungsunschärfe nicht im Bild haben, ist es nötig mehr Bilder pro Sekunde aufzunehmen. So sind im Kino inzwischen immer häufiger 48 fps und im PAL-Fernsehen 50 fps üblich.

Nicht jedem Betrachter gefallen diese Aufnahmen ohne sichtbare Bewegungsunschärfe. Entsteht doch dadurch ein stark an Computerspiele erinnernder Look.
Oft ist es am Ende also eine Frage des eigenen Geschmacks. Puristen und Cineasten werden immer auf viel Bewegungsunschärfe bei 24 fps schwören.

Auflösung

Natürlich spielt auch die Auflösung des Videobilds eine Rolle beim allgemeinen Schärfeeindruck. Das Fernsehbild mit wenigen hundert Zeilen, das noch bis vor einigen Jahren üblich war, sieht nur auf mäßig großen Röhrenfernsehern gut aus.
Da der Trend zu immer größeren Displays mit immer geringerem Betrachtungsabstand geht, ist es natürlich klar, daß eine Aufnahme in 1080p nicht so scharf auf einem 55 Zoll Fernseher erscheint, wie die gleiche Aufnahme in 4K oder gar 8K.
Man sollte die Auflösung aber im Verhältnis zum Betrachtungsabstand sehen. Eine 200qm 4K-Videowand wird aus 30m Entfernung einen tadellosen Bildeindruck vermitteln. Ebenso ein 1080p Video auf einem 36 Zoll Fernseher, den man aus 3m Entfernung betrachtet.
Und doch… Schärfer geht immer… und eine ganze Industrie lebt davon die Auflösungen immer weiter nach oben zu schrauben. Zum Zeitpunkt dieses Artikel gilt 4K als der Quasi-Standard. Daher sollte man diese Auflösung auch wählen, sofern die eigene Kamera dies hergibt.

Digitales Nachschärfen

Kommen wir zu einer „Unsitte“ in der Videowelt. Das digitale Nachschärfen von Aufnahmen. Besonders betroffen sind davon ActionCams. Oftmals meinen die Hersteller dieser Kameras die optische Leistung der Weitwinkellinsen wäre nicht ausreichend und man müßte digital für mehr Schärfe im Bild sorgen.

Video schärfen

Das digitale Nachschärfen von Videos kann mehr zerstören als gut machen.

Dies führt nicht nur oft zu unschönen Bildartefakten, es erschwert auch die ActionCam zusammen mit einer anderen Kamera in einem Video zu nutzen. Denn selbst, wenn man die Farben der beiden Kameras perfekt aufeinander abstimmen kann, wird man anhand der digital überschärften Aufnahmen immer am „billigen“ Look erkennen können, welche Aufnahme mit einer ActionCam gemacht würde.
Wenn die Kamera es also gestattet, sollte man dieses digitale Nachschärfen abschalten.
Bei SLR und Systemkameras kann man die digitale Nachschärfung übrigens individuell einstellen oder ganz abschalten.

Schärfeverlust durch Wasser

Während alle anderen Punkte über wie unter Wasser gelten, betrifft dieses Problem natürlich nur das Filmen unter Wasser. Unterwasserfotografie bzw. Unterwasservideografie ist und bleibt die Paradedisziplin der Weitwinkelobjektive. Dies hat seinen guten Grund. Je weiter man vom Objekt weg ist, desto schlechter läßt sich dieses abbilden.

Video schärfen

Je weiter man vom zu filmenden Objekt weg ist, desto schlechter die Bildqualität, auch in Sachen Bildschärfe.

Unter anderem auch, weil weniger Wasser zwischen Kamera und Fisch auch bedeutet, daß sich weniger Schwebeteilchen dazwischen befinden, die nicht nur die Bildschärfe negativ beeinflussen.
Außerdem gilt, je länger die Brennweite des Objektivs, desto mehr werden die Schwebeteilchen in die Bildebene gestaucht. Und desto unschärfer (matschiger) wird auch die Aufnahme aussehen.
Also: Nah ran ans Objekt! Und sich dabei nach Möglichkeit nicht beißen oder stechen lassen. 😉

Video schärfen – das Fazit

Allgemein ist zu sagen, daß sich unsere Sehgewohnheiten stark verändern werden und dies sogar schon bereits getan haben. Die Puristen, die auf 24 fps schwören, werden weniger.
Dafür wächst eine ganze Generation an Online-Video-Guckern heran, deren „normale“ Sehgewohnheit von hohen Bildraten und digital nachgeschärften Aufnahmen geprägt ist und die darüber hinaus 4K-Material auf Smartphones im Mäusekino-Format konsumieren.

Letztendlich ist also auch die Bildschärfe in einem Video – wie so vieles im Leben – eine Frage des individuellen Geschmacks und der Art und Weise wie man etwas als „normal“ empfindet. Auch sollte man sich immer fragen, wieviel Schärfe die Geschichte verträgt, die man mit dem Film erzählen will. Video schärfen, schön und gut, aber wenn der Film einen 70er-Touch haben soll, wäre das Ausreizen der maximal möglichen Bildschärfe kontraproduktiv. Ein Video schärfen ist also mehr als ein technischer Vorgang.

Beachtet man diese hier vorgestellten sechs Punkte, weiß man aber worauf man beim nächsten Unterwasservideo achten muß, um die Bildschärfe so zu gestalten, daß sie dem eigenen Empfinden nach stimmt.

So, jetzt seit ihr bereit fürs Video schärfen! Solltet ihr noch Fragen haben… Ihr erreicht uns ganz einfach per E-Mail. Oder besucht und folgt uns bei FacebookTwitterInstagram oder bei den Videoportalen YouTube und Vimeo!
Wir freuen uns darauf von euch zu lesen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.