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Lumix GH5 für Unterwasservideo

Die Panasonic Lumix GH5 wurde schon vor ihrem Erscheinen als Game-Changer bezeichnet, wenn es um das Filmemachen mit beschränktem Budget ging. Doch gilt dies auch für das Drehen von Unterwasserfilmen?

Die Lumix GH5 für Unterwasserfilm zu nutzen liegt durchaus im Bereich des Möglichen. Ist doch schon ihre Vorgängerin GH4 eine Top-Kamera, die auch unter Wasser ganz passable Aufnahmen hinbekommt. Sehen wir uns also im Detail an, was die GH5 im Hinblick auf Unterwasserfilm zu bieten hat.

HINWEIS: Wie viele Produkte heutzutage, so ist auch die Lumix GH5 leider eine Banane. Das heißt, sie reift beim Kunden, von Update zu Update. Der hier geschriebene Testbericht bezieht sich auf die Firmware 1.1 von April 2017. Alle neuen Erkenntnisse, die sich mit dem Update auf die Firmware 2.1 von Ende September 2017 ergeben, sind in diesem Text mit Update markiert. Wie die Kamera selbst, so ist daher auch dieser Testbericht „work in progress“. Der jeweils aktuelle Stand kann am Ende des Artikels eingesehen werden.

Die Vorteile der Lumix GH5 beim Filmen unter Wasser

Die Lumix GH5 kann 4k Videos bei 30fps und einer Farbabtastung von 4:2:2 (10Bit) aufzeichnen. Und das Ganze bei 150 Mbit pro Sekunde, bzw. 400 Mbit pro Sekunde nach Firmware-Update (Ende September 2017, Firmware 2.0). Dies kann im Comsumerbereich zu diesem Preis bisher keine andere Kamera. Gerade unter Wasser, wenn man gegen die Oberfläche ins Blauwasser filmt hat man bei den bisher üblichen Comsumer-Kameras mit 4:2:0 (8Bit) Abtastung gelegentlich unschöne blaue Streifen im Bild. Neudeutsch als Banding bezeichnet. Dies passiert mit einer Kamera wie der Lumix GH5 nicht mehr.

lumix GH5 Vlog

Vlog bietet gerade in Tiefen ab 20m große Vorteile, weil sich die ansonsten komplett blaustichigen Aufnahmen nachträglich noch gut korrigieren lassen. (Zum Vergößern klicken)

Hinzu kommt der hohe Dynamikumfang der GH5. Dieser beträgt immerhin 12 Blenden, wenn man im sogenannten Vlog-Profil filmt. Damit lassen sich unter Wasser auch kritische Lichtsituationen meistern und man hat nachträglich beim Schnitt noch einige Möglichkeiten zur Farbkorrektur. Allerdings gibt es das Vlog-Profil nicht kostenlos. Es muß wie bereits bei der GH4 für gut 100 Euro zusätzlich gekauft werden.

Die vielgelobten 60fps bei 4k-Aufnahmen (dann nur 4:2:0, 8Bit) sind für Unterwasseraufnahmen nicht so relevant, wie die deutlich bessere Bildqualität durch die hohe Farbabtastung. Dennoch ist diese hohe Framerate „nice to have“, besonders wenn man Aufnahmen nachträglich gerne etwas langsamer abspielen will. SloMo-Fans kommen nun also auch bei 4k auf Ihre Kosten, wenn sie mit 60fps bereits zufrieden sind. Auch wenn man den kompletten Film in 4k 60fps drehen will, kann man dies nun – mit der Einschränkung auf 4:2:2 verzichten zu müssen – tun.

Viel interessanter ist an der Lumix GH5 für Unterwasserfilm jedoch die hervorragende Bildstabilisierung, die bereits an Land sehr häufig wackelfreie Aufnahmen ohne Stativ ermöglicht. Die gute Performance kommt durch eine mehrfache Stabilisierung zu Stande. Zum einen wird das Bild im Kameraobjektiv stabilisiert, zum anderen ist der Bildsensor in der Kamera auf einem weiteren Stabilisator gelagert. Zusätzlich kann man noch eine elektronische Stabilisierung speziell für Videoaufnahmen aktivieren.
All dies zusammengenommen sorgt bei Freihandaufnahmen bei entsprechender stabiler Haltung für eine ähnlich gute Bildstabilisierung wie Gimbal-Systeme. Steckt man die Kamera nun noch in ein schweres Unterwassergehäuse wie das Nauticam NA-GH5 hat man ein bestmöglich gelagertes Aufnahmesystem in dieser Kameraklasse.

Panasonic Lumix GH5 Ansicht von vorne

Panasonic Lumix GH5 – Profi-Funktionen zum Amateurpreis

Ein weiterer Pluspunkt der Lumix GH5 ist die Art wie das 4k-Bild entsteht. Während andere große Kamerahersteller das Bild einfach aus dem Sensor herauscroppen, nutzt die Panasonic Lumix GH5 die gesamte Sensorbreite (4999 Pixel) und rechnet diese auf das jeweilige 4k oder 1080p Bild klein, was zu einem Gewinn an Bildschärfe führt. Und, für Unterwasserfilm nicht unwichtig, da kein Cropping stattfindet kommt es so zu keiner „Brennweitenverlängerung“.

Mit einer Akkulaufzeit (Panasonic Original-Akku) von über 2 Stunden, bei ständigem Filmen in 4k bei 30fps (4:2:2) qualifiziert sich die GH5 endlich als Kamera, die man auch auf drei Tauchgänge mitnehmen kann, ohne den Akku wechseln zu müssen. Gerade auf schwankenden, tropfnassen Tauchbooten ein nicht zu unterschätzender Vorteil.

Der manuelle Weißabgleich der GH5 ist mit wenigen Handgriffen erledigt. In Verbindung mit dem Unterwassergehäuse von Nauticam, das den Hebel zum Weißabgleich ergonomisch an den rechten Daumen legt, ist er allerdings noch lange nicht schnell an die jeweilige Wassertiefe angeglichen, da auf der Rückseite des Gehäuses noch ein weiterer Knopf gedrückt werden muß. Darüber hinaus gibt es eine kleine Einschränkung in Sachen manuellem Weißabgleich. Ist man wie ich, 11 Jahre lang vom hervorragenden Weißabgleich diverser Canon-Kameras verwöhnt worden, muß man ein paar farbliche Abstriche hinnehmen. Doch dazu mehr im Feldtest.

Manueller Weißabgleich unter Wasser: Testvideo mit der Lumix GH5 im Gehäuse von Nauticam im Roten Meer.

Es ist leider sehr traurig, aber nachdem ein großer japanischer Hersteller dessen Name aus vier Buchstaben besteht und mit einem S beginnt, begonnen hat den Markt mit 4k-Kameras zu überschwemmen, die schon bei Zimmertemperatur den Hitzetod sterben, sobald sie länger als 20 Minuten an einem Stück filmen müssen, weise ich an dieser Stelle ausdrücklich darauf hin, daß die Lumix GH5 sich NICHT überhitzt und abschaltet. Auch nicht, wenn sie 2 Stunden an einem Stück durchfilmt und dabei in einem Unterwassergehäuse steckt.
Selbst im Feldtest bei 35-38 Grad Luft- und 30 Grad Wassertemperatur war die Kamera selbst bei prallem Sonnenschein und schwarzem Unterwassergehäuse stets einsatzbereit. Hier zahlt es sich eben aus eine Kamera zu bauen, die für eine spiegellose Systemkamera zwar sehr groß, dafür aber sehr zuverlässig ist.

Das Display ist auch unter Wasser bei sonnendurchflutetem Wasser noch einigermaßen gut zu erkennen. Sollte dies dennoch einmal nicht der nicht Fall sein oder andere Umstände einen dazu zwingen, kann man auf den Sucher umschalten, der für einen elektronischen Sucher ein ordentlich klares Bild liefert. Oder man klebt sich eine Antireflexfolie auf das Display, was auf jeden Fall nicht schaden kann, wenn man oft in sonnigen Gewässern taucht.

Lumix GH5 im Flachwasser

Im Flachwasser bei 7m sind die Farben im manuellen Weißabgleich sehr stimmig. Das Display ist auch bei hellem Sonnenschein noch gut zu erkennen. Eine Antireflexfolie kann dennoch nicht schaden. (Zum Vergößern klicken)

Der Zugriff auf die komplette Sensorauflösung ist ein weiterer Vorteil der Lumix GH5 für Unterwasserfilm. Dank 6k-Fotomodus ist es so möglich Clips in 6k bei 30fps zu erstellen. Sollte der finale Film in 4k geplant sein, kann man so immer noch bei der Nachbearbeitung in das Video hineinzoomen ohne Qualität zu verlieren, sollten sich die gefilmten Fische nachträglich doch als zu weit entfernt herausstellen.

Nicht eindeutig ein Vorteil, aber sicher auch kein Nachteil ist unter Wasser die größere Tiefenschärfe, die baubedingt durch den relativ kleinen 4:3 Sensor zustande kommt. Auch die Brennweitenverlängerung um den Faktor 2 des Micro-Four-Thirds Standards kann unter Wasser ein Vor- und Nachteil zugleich sein. Will man scheue Tiere filmen kommt man so näher an sie heran. Braucht man möglichst viel Weitwinkel für Wracks und Canyon wird es eher schwierig und man muß zu einem Extrem-Weitwinkel greifen.

Nachteile der GH5 beim Filmen unter Wasser

Ein ganz großer Nachteil ist auf den ersten Blick der Preis. Man verläßt hier eindeutig den Bereich der Urlaubsfilmerei und muß sich vor der Anschaffung überlegen, was einem die ganze Sache wert ist. Über den Daumen gepeilt kostet die Lumix GH5 zusammen mit einem guten Objektiv wie dem Panasonic 2:8 12-35mm 3.000 Euro. Hinzu kommt das Gehäuse von Nauticam, das je nach Konfiguration nochmals mit gut 3.600 Euro zu Buche schlägt. Zusammen mit einem brauchbaren Lichtsystem ist man so schnell bei weit über 8.000 Euro. Dafür bekommt man heute auch schon einen Kleinwagen…
Ein kleiner Trost ist hierbei vielleicht, daß man dafür ein immer noch relativ kompaktes System erhält, daß es qualitativ mit deutlich im fünfstelligen Preisbereich liegenden Kameras aufnehmen kann, die obendrein so groß und sperrig sind, daß es damit schwierig bis unmöglich ist ohne fremde Hilfe ins Wasser und zurück aufs Boot zu kommen.

Ein weiterer Nachteil ist der Micro-Four-Thirds Standard. Ein Bildformat mit einem Seitenverhältnis von 4:3 einzuführen war schon Unsinn, bevor der Trend zum 16:9 Format bei Fernsehern und Monitoren ging. Aber gut, so ist es nunmal und wir müssen die Kröte schlucken, wenn wir all die Vorteile haben wollen, die andere Hersteller derzeit nicht oder nur mangelhaft bieten.

Lumix GH5

In 28m Tiefe sollte man das Vlog-Profil verwenden, um den Blaustich zu vermeiden und natürliche Farben zu erhalten. Das Bildrauschen hält sich jedoch auch bei wenig Licht noch ganz gut in Grenzen. (Zum Vergrößern klicken)

Bedingt durch den im Vergleich zu APS-C und „Vollformat“ Sensoren ist ein Micro-Four-Thirds-Sensor natürlich immer kleiner und daher auch anfälliger für Bildrauschen.
Beim Filmen unter Wasser hat man es durchaus hin und wieder mit schlechten Lichtverhältnissen zu tun. Daher kann es nicht schaden einen Sensor zu haben, der möglichst wenig Bildrauschen bei wenig Licht an den Tag legt. Hier muß man natürlich im Vergleich zu Kameras mit größeren Sensoren Abstriche machen. Dennoch gab es bei unserem Feldtest keine Aufnahmen, die aufgrund des Bildrauschens als unbrauchbar zu bezeichnen gewesen wären. Dies liegt auch daran, daß der Sensor trotz der geringen Größe bis zu ISO 1600 zu vernachlässigendes Rauschen produziert. Erst ab ISO 3200 sind nachträgliche Korrekturen nötig.
Wirklich negativ wirkt sich das 4:3 Format bei der 6k-Funktionalität aus. Dank des 6k-Fotomodus, der im Prinzip ein 6k-Video erstellt, aus dem man sich nachträglich die gelungensten „Fotos“ aussuchen soll, hat man Zugriff auf ein 6k-Video, das aber aufgrund des 4:3 Formats nur über eine 5k-Breite (4999 Pixel) verfügt. Nachdem Filme heutzutage für gewöhnlich im Breitbild, bzw. 16:9 dargestellt werden, muß man viel mehr Pixel oben und unten abschneiden als dies bei einem Sensor im 3:2 Format nötig wäre.
Update: Mit der neuen Firmware 2.1 stellt Panasonic nun einen anamorphischen 6k Videomodus zur Verfügung. Mit speziellen Objektiven und Adaptern kann man nun so auch im Breitbildformat filmen. Allerdings gibt es derzeit noch keine Anpassung der sehr speziellen und teuren Objektive an Unterwassergehäuse.

Hat man 26 Jahre lang mit Kameras von Canon fotografiert und gefilmt, wird einem der Autofokus der Lumix GH5 als gemächlich vorkommen. Vergleicht man den AF mit dem des Herstellers mit den Überhitzungsproblemen wird dies sogar noch deutlicher. Auch ist der AF der GH5 kontrastbasiert. An Kontrasten kann es unter Wasser durchaus häufig mangeln. Als Folge davon braucht der Autofokus noch länger bis er scharf gestellt hat, wenn er es überhaupt schafft. Da nützt es auch nichts in in den Einstellungen auf maximale Geschwindigkeit zu stellen.
Komplette Autofokusprobleme, wie sie der GH5 vielfach unterstellt werden konnten wir nicht nachvollziehen. Allerdings gab es durchaus einige Fokusprobleme, nicht nur im trüben Wasser. Mehr dazu im Feldtest weiter unten und in diesem Beispielvideo.
UPDATE: Mit der neuen Firmware 2.1 funktioniert der Autofokus deutlich präziser und zuverlässiger als hier beschrieben.

Unterwassergehäuse für die Lumix GH5

Die beste Kamera nützt einem unter Wasser nichts, wenn sie nicht in einem vernünftig bedienbaren Gehäuse steckt. Hier gibt es für die Lumix GH5 (noch) keine große Auswahl. Ikelite bietet für knapp 1.800 Euro ein Kunststoffgehäuse an, ebenso Niemar. Gerade im Lowcost-Bereich ist in nächster Zeit noch mit dem einen oder anderen Gehäuse zu rechnen.
Nicht ganz billig, aber dafür sehr gut, weil es die Anordnung der Bedienelemente auch dahin bewegt, wo sie unter Wasser hingehören ist das Gehäuse von Nauticam NA-GH5.
Das Aluminiumgehäuse ist bis 100m wasserdicht und kommt in der von Nauticam gewohnt hohen Qualität. Alle häufig benötigten Tasten wie Auslöser, Weißabgleich und ISO sind mit der rechten Hand erreichbar, ohne sie dafür vom Griff zu nehmen. Der Auslöser der Kamera wird so – ähnlich wie bei einem Gewehr – zum Abzug.

Lumix GH5 im Nauticam Gehäuse

Die Lumix GH5 im Nauticamgehäuse mit Domeport

Die GH5 verfügt über zahlreiche individuell belegbare Funktionstasten. Nur die wenigsten davon sind aber über das Gehäuse einstellbar. Hier muß man also Abstriche machen. Dennoch reicht auch im Nauticam NA-GH5 die Anzahl an benutzbaren Funktionstasten, um zum Beispiel schnell auf Vlog umschalten zu können.
Das Gehäuse selbst wird ohne Port verkauft. Je nach verwendetem Objektiv muß man sich noch einen Port und einen Zoomadapter, eventuell auch einen Fokusadapter für manuellen Fokus dazubestellen. Auch wenn man das sehr zu empfehlende Vakuumsystem nutzen will, benötigt man noch ein zusätzliches Ventil samt Luftpumpe.

Lumix GH5 mit Nauticam Zoom Ring

Der Nauticam Zoom-Ring an der Lumix GH5.

Auf der Website von Nauticam findet man eine Übersicht, welche Komponenten mit dem Gehäuse verwendet werden können und welche Objektive verwendet werden können. So kann man sich sein eigenes Gehäuse konfigurieren.
Die Kamera selbst wird auf einen kleinen Schlitten montiert und in das Gehäuse geschoben. Bei abgenommenen Port kann man das Objektiv wechseln ohne die Kamera aus dem Gehäuse entfernen zu müssen. Auch behindert der Schlitten nicht den Batterieschacht. Ein Wechsel des Akkus ist also möglich ohne die Kamera vom Schlitten zu demontieren.
Die Lieferung des Gehäuse erfolgt montiert in einer eigens dafür hergestellten Tasche. In diese Tasche paßt aber nur das Gehäuse ohne Port. Es ist also nicht zum Transport geeignet. Für das Geld hätte man die Tasche auch noch einen Tick größer machen können… Auch liegt keine Anleitung dabei. Noch nicht einmal auf Englisch. Fragen muß man sich ergoogeln. Lediglich eine Mini-Anleitung zur Montage des Zoomrings gibt es. Allerdings sind Amateur-Tutorials bei YouTube wesentlich hilfreicher als die Anleitung.
Dieser mangelhaften Dokumentation steht allerdings ein bis ins allerkleinste Detail hochwertig verarbeitetes Gehäuse gegenüber, dem man vom ersten Tauchgang an eine 3.000 Euro Kamera anvertrauen kann ohne auch nur eine Sekunde lang das Gefühl zu haben, es könnte eine Fehlfunktion haben.

Feldtest: Panasonic Lumix GH5 im Nauticam-Gehäuse

13 Tauchgänge im Roten Meer bei Marsa Alam, bei zum Teil sehr trüber Sicht, haben die Stärken und Schwächen des Systems an den Tag befördert. Kommen wir also gleich zu den Schwächen. Was an der Panasonic Lumix GH5 oft bemängelt wird ist der Autofokus, der auch mit der Firmware von April 2017 durchaus noch als mangelhaft gelten darf. Besonders unter Wasser…
Allerdings muß man auch hier sagen, oft steckt das Problem nicht in der Kamera, sondern dahinter.
Gerade bei Unterwasseraufnahmen mit sich schnell bewegenden Zielobjekten ist es nötig die Kamera im AF-C, im kontinuierlichen Autofokus zu betreiben. Macht man dies mit nur einem Fokuspunkt oder wenigen Fokuspunkten im Zentrum, hat der Prozessor auch genügend Zeit für die Berechnungen. Bei 225 AF-Punkten mag die Software überfordert sein und auf den falschen Fisch fokussieren. Mit wenigen Fokuspunkten klappt es also mit der Fokussierung besser.
Allerdings ist mir in zahlreichen Aufnahmen aufgefallen, daß wenn man zum Beispiel einen großen Korallenblock anvisiert und langsam auf ihn aufschwimmt, der Autofokus die Schärfe nicht nachstellt. Die Koralle wird langsam immer unschärfer, bis sie dann plötzlich schlagartig wieder scharf gestellt wird. Einen ähnlichen Verlust des Fokus kann man auch bei bewegten Objekten beobachten. Insgesamt würde ich den Autofokus als wesentlich schlechter bezeichnen, als den meiner nun bald drei Jahre alten Canon G7 X, die damals knapp 600 Euro gekostet hat. Dies gilt insbesondere in trübem Wasser. Sobald der Autofokus nicht mehr genügend Kontraste findet, kann man sich auf den Kopf stellen, auf die Schildkröte fokussiert er trotzdem nicht. Unsere neue Canon G7 X II hat dies übrigens nach einer Weile rumzicken am Ende dann doch getan.
UPDATE: Mit der neuen Firmware 2.1 funktioniert der Autofokus deutlich präziser und zuverlässiger als hier beschrieben.

Lumix GH5

Der AF der Lumix GH5 ist auch unter Wasser nicht der beste. Schon kleine Schwebeteilchen bringen ihn aus dem Konzept. Unser Canon G7 X Mark II (600 Euro) konnte dieses Aufnahme nach einigen Schwierigkeiten übrigens fokusieren. (Zum Vergößern klicken)

Richtig übel ist auch der folgende Bug in der Firmware: Hat man ein paar wenige Fokuspunkte ausgewählt, kann man diese Arbeit gleich nochmal machen, nachdem die Kamera sich schlafen gelegt hat. Denn nach dem Aufwachen hat sie die Einstellung komplett vergessen. Will man dies verhindern, muß man sich die Fokuspunkte als Voreinstellung speichern. Hier wird hoffentlich noch nachgebessert!
Ein weiteres Problem, das mir regelmäßig begegnet ist, geht wohl auf das Konto des Gehäuses von Nauticam. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob es nicht nur eine Frage der Gewöhnung ist.
Es geht dabei um folgendes Problem: Das Gehäuse gibt mir einen Abzug, ähnlich dem eines Gewehrs, direkt an meinen rechten Zeigefinger. Man kann die Aufnahme also ohne Verzögerung starten. Allerdings erfordert der Abzug eine Gewöhnung an den richtigen Druck. Drückt man einmal sanft darauf, um zu fokussieren und anschließend nicht fest genug um auszulösen, zahlt man teures Lehrgeld, weil einem ein womöglich tolles Motiv entwischt, da man den Auslöser nicht richtig betätigt hat. Es gilt also: Anvisieren, fokussieren, auslösen – UND ÜBERPRÜFEN OB DIE AUFNAHME LÄUFT!

Lumix GH5

Aufnahme in 10m Tiefe. Bis 15m sind die Farben des manuellen Weißabgleichs relativ stimmig, weiter unten erzielt man mit Vlog bessere Ergebnisse, wobei man den Farbregler trotzdem komplett in den roten Bereich zieht.

Ich habe in den 13 Tauchgängen auf dieser Weise einige Male die Aufnahme erst dann gestartet, als das Motiv schon längst durchs Bild geschwommen war und ich dachte eigentlich alles im Kasten zu haben. Problem auch hinter der Kamera, wir erinnern uns…
Was mir im Vergleich zu meinen diversen Canons auch nicht gefällt, ist der minderwertige manuelle Weißabgleich. Während ich mit meiner Canon G7 X manchmal auch in gut 25m Tiefe noch mit natürlichem Licht arbeiten kann, und dabei brauchbare Farben erhalte, bekommt man an der Lumix GH5 in Tiefen größer als 15m einen Grünblaustich, auch wenn der Weißabgleich komplett ins Rote verschoben ist. Braucht so eine 3000 Euro Kamera am Ende noch eine Krücke in Form eines Rotfilters?
UPDATE: Mit der neuen Firmware 2.1 haben die Probleme unter Wasser einen korrekten manuellen Weißabgleich zu bekommen zugenommen. Oftmals sind drei und mehr Versuche nötig, bevor die Farben einigermaßen stimmen.
Nein, denn ab 15m Tiefe kommt man mit dem Vlog-Profil und dessen nachträglicher Korrektur am Rechner ganz gut zurecht, wie dieses Testvideo zeigt:

Jetzt wird der eine oder andere Leser sich fragen, ob mir überhaupt irgendwas an der Kamera gefallen hat. Ja, die Bildstabilisierung ist hervorragend. Die Stabilisierung im Objektiv, in der Kamera und die nachträgliche elektronische Stabilisierung funktionieren in den allermeisten Fälle sehr gut. Leider gewöhnt man sich sehr schnell daran und wird in der Haltung nachlässig, dann wackelt es natürlich doch wieder.
Auch die Bildschärfe und der Farbeindruck kommt an das heran, was man sonst in hochwertigen Naturdokus der BBC zu sehen bekommt. Die Farb-Voreinstellung auf „Nat“ für natürlich Farben paßt auch unter Wasser von Null bis 15 Meter ganz hervorragend (manuellen Weißabgleich aber nicht vergessen).
Kommt man in kritische Lichtsituationen oder taucht man tiefer als 15m kann man auf Vlog umschalten und die Farben nachträglich in der Schnittsoftware korrigieren.
Insgesamt hatten wir beide, die GH5 und ich in den ersten 13 Tauchgängen so unsere Höhen und Tiefen, nicht nur taucherisch… 😉 Nicht immer ist die Kamera schuld. Es ist nunmal etwas anderes mit einer Systemkamera zu filmen, als mit einer Kompakten. Und wenn Panasonic den Autofokus wie versprochen in der nächsten Firmware nachbessert, werden wir sicherlich noch ganz dicke Freunde, meine Lumix GH5 und ich.

Fazit zur Lumix GH5 für Unterwasserfilm

Mein Fazit zu einem 8.000 Euro Unterwasservideo-System? Ja, was soll man da sagen? Entweder man ist verrückt genug und macht es oder man läßt es. Alleine, um unter Wasser in 4k zu filmen braucht man sowas nicht. Dafür gibt es deutlich günstigere Lösungen. 4k ist nicht alles. Es gibt schon längst die ersten 8k Kameras. Wenn es danach ginge, könnte man sich alle zwei Jahre ein neues System zulegen.
Was viel interessanter ist, ist der relative hohe Dynamikumfang von 12 Blenden und das Filmen in 4:2:2 mit einer Kamera, die nicht größer ist als eine durchschnittliche Spiegelreflex. Und das zu einem Preis, der ebenfalls im Bereich einer Spiegelreflex und nicht einer Red liegt.
Wenn man mutig ist und sich Geld sparen will, kann man die Lumix GH5 bestimmt auch bald in ein Gehäuse für 500 Euro stecken. Was auch immer man macht, sie verändert auf jeden Fall die Art wie man unter Wasser filmt. Diese Kamera verlangt von einem sich mit ihr auseinanderzusetzen, sie kennenzulernen und regelmäßig mit ihr zu arbeiten. Für gelegentliches Abtauchen wird sie nicht nur zu teuer, sondern auch zu gewöhnungsbedürftig sein.
Inzwischen hat Panasonic auch das lange erwartete Firmware-Update 2.0 für Ende September 2017 angekündigt. Alle hier in diesem Artikel erwähnten Stärken und Schwächen der Kamera beziehen sich auf die alte Firmware 1.1.
Ich habe diesen ürspünglichen Artikel von September 2017 inzwischen um die neuen Erkenntnisse mit der Firmware 2.1 ergänzt. Natürlich werde ich in den kommenden Monaten auch mit der neuen Firmware 2.1 nochh weitere Tauchgänge machen. Weitere Änderungen, Ergänzungen und Updates werde ich dann nachträglich in diesen Artikel einfügen.

| Stand: 25. November 2017 | Autor: Andreas Abstreiter

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