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Rotes Meer: Kann man wieder nach Ägypten reisen?

Wir schreiben den Sommer 2016: Die permanente Terrorgefahr hat den meisten Menschen die Urlaubslaune ordentlich vermiest. Die gilt besonders für das Urlaubsland Ägypten. Ägypten ist jedoch mit seinem Saumriff am Roten Meer, den zahlreichen vorgelagerten Riffen und mit seiner Nähe zu Europa für viele Taucher ein alternativloses Ziel für entspanntes Tauchen in tropischen Gewässern.

Dieser Kurz-Bericht ist unser persönlicher Eindruck von der Entwicklung in Ägypten in den letzten Jahren. Er schildert ausdrücklich unsere persönlichen Erfahrungen und Erlebnisse.

Jedes Mal, wenn wir in unserem Umfeld erzählen, daß wir demnächst nach Ägypten reisen, um zu tauchen, dauert es nicht lange bis uns jemand den Vogel zeigt.
„Warum fliegt ihr nicht gleich nach Syrien?“ ist ein oft gehörter Satz in diesem Zusammenhang.
Wenn wir dann sagen, daß in der Gegend von Marsa Alam die größte Gefahr von den ägyptischen Autofahrern ausgeht, wechseln die meisten das Thema, weil sie davon ausgehen es bei uns mit gehirnverbrannten Vollidioten zu tun zu haben, denen man sowieso nicht mehr helfen kann.

Zugegeben, die ägyptische Politik hat viel zur jetzigen Lage im Land beigetragen und ist alles andere als unschuldig an der jetzigen Situation, in der so gut wie niemand mehr nach Ägypten reisen will. Kam es in der Vergangenheit zu Anschlägen, wurde geleugnet und beschwichtigt. Sicherheit versprochen, aber nicht geliefert. Die Touristen würden trotzdem munter weiter nach Ägypten reisen, so glaubte man. Tun sie aber nicht, denn sie halten die Sicherheitslage im Land für katastrophal.
Wir selbst haben noch vor zwei Jahren am Flughafen in Marsa Alam gesehen, wie Angestellte lieber auf ihren Smartphones spielten als auf den Monitor des Röntgengeräts zu schauen. Sowas prägt sich ein. So macht nach Ägypten reisen keinen Spaß.

Auf diese Weise hat man sich natürlich in der Vergangenheit das Vertrauen verspielt und so leidet seither vor allem der Kultur- und der Badetourismus am Roten Meer.
Und mit ihm all die zahlreichen Ägypter, deren Existenz entscheidend vom Tourismus abhängt. Denn in Ägypten gibt es keine Arbeitslosenversicherung. Wer den Job verliert, der verliert sein Brot. Das soziale Netz besteht aus den Familien, die sich irgendwie über Wasser zu halten versuchen.

Besonders schlimm ist es nun im Jahr 2016. Man hat uns gesagt, daß Anfang Juli 2016 nur etwa 1.000 Gäste in den 60 Hotels der Region Marsa Alam registriert waren. Wobei man sagen muß, daß viele der 60 Hotels geschlossen haben oder ein massives Notprogramm fahren. Die wenigen Gäste, die noch kommen, sind meist Taucher wie wir oder AI-Ballermann-Touristen, die sich durch extreme Last Minute-Schnäppchen locken lassen.

So traurig es ist, aber der Anschlag auf die russische Passagiermaschine über dem Sinai im November 2015 hat den ägyptischen Verantwortlichen ganz offenbar (endlich) den Arsch auf Grundeis gehen lassen. Gut möglich, daß so mancher von ihnen nun irgendwo in der Wüste an der Grenze zu Libyen Wache schieben darf. Denn anders ist es nicht zu erklären, wie es innerhalb weniger Monate zu so einem massiven Wandel bei den Sicherheitskontrollen am Flughafen Marsa Alam kommen konnte. Wir waren im Oktober 2015 vor Ort und nun im Juli 2016. Zwischen den Sicherheitskontrollen am Flughafen vor dem Anschlag auf die russische Maschine und heute, liegen Welten.

Betritt man heute das Flughafengebäude findet sich dort immer noch die schon in der Vergangenheit vorhandene Sicherheitskontrolle für Gepäck und Passagiere, doch der Unterschied ist nun, daß sie auch als solche genutzt wird!
Noch bevor man die eigentliche Kontrolle erreicht, wird man von Beamten mit scheinbar unnötigen, unverfänglichen Fragen psychologisch eingeordnet, dann erst betritt man den Metalldetektor, bei dem man auch die Schuhe ausziehen und in das Röntgengerät legen muß. Nach dem Metalldetektor wird man zusätzlich noch abgefummelt.
Wer jetzt denkt, er könnte seinen Gürtel und andere Metallgegenstände wieder anlegen, der sollte es lassen, denn nach dem Check-In erwartet einen die gleiche Prozedur nochmals. Auch diese zweite Kontrolle gab es in der Vergangenheit bereits, doch heute wird sie deutlich gründlicher ausgeführt.
Eine weitere Veränderung befindet sich auf dem Flugfeld, wo drei bis vier Sicherheitsleute rund um den Flieger Wache stehen, damit keine unbefugten Personen zum Flugzeug gelangen können.
Der erste Nacktscanner steht übrigens auch schon fertig zur Montage am Flughafen, auch wenn man gerne bezweifeln darf, daß damit die Sicherheit erhöht wird. An tatsächlicher verbesserter Sicherheit und Aktionismus mangelt es in Marsa Alam im Moment jedenfalls nicht.

Unterm Strich: die Sicherheitskontrollen bei unserem Abflug in München waren im Vergleich zu den Kontrollen in Marsa Alam vergleichsweise lasch. In München gab es nur eine Kontrolle, Schuhe nicht extra, keine Befragung, kein Abfummeln noch nicht einmal unsere umfangreiche Unterwasservideo-Ausrüstung wurde zerlegt. Dies gab es in der Vergangenheit bisher erst einmal, daß in München niemand einen Blick auf unsere Gehäuse und Lampen werfen wollte.

Kann man also wieder nach Ägypten reisen? Sicherheitsempfinden ist sehr individuell. Ist unsere Welt wirklich so unsicher geworden, wie die Medien es uns zeigen? Terrorismus hat es schon immer gegeben. Was neu ist, ist daß mein Sitznachbar in der S-Bahn eventuell die Axt zücken könnte und sich scheinbar jeder psychisch Kranke berufen fühlen könnte für Allah oder sonstwas töten zu müssen.
Gefährlich sein kann es also überall. Soll man sich von der eigenen Angst die Lebens- und Reisefreude nehmen lassen? Angst und Vorsicht sind gut und überlebenswichtig, aber sie sind auch nur ein Teil unseres Lebens.
So wie ich aus Vorsicht die Wartung meines Tauchequipments regelmäßig erledigen lasse und aus Angst vielleicht lieber auf den einen oder anderen Tauchgang verzichte, weil bestimmte Faktoren eben dafür sprechen, sollte ich auch einschätzen, wie groß den das Risiko Opfer eines Terroranschlags zu werden wirklich ist. Glaubt man den Statistiken, ist die tägliche Fahrt in die Arbeit oder das Verbleiben in den eigenen vier Wänden deutlich gefährlicher.

Nach Ägypten reisen: In der Gegend von Marsa Alam sind und bleiben nach unserem persönlichen Sicherheitsempfinden nach wie vor die Autofahrer – die NACHTS gerne ohne Licht fahren – die größte Gefahr.
Unsere nächste Reise nach Marsa Alam ist bereits gebucht, auch wenn das wieder Kopfschütteln und Unverständnis in unserem Umfeld auslösen mag. Die nun vom Massentourismus befreiten Riffe sind einfach zu einladend, um in nächster Zeit von uns links liegen gelassen zu werden. Ganz zu schweigen von all den netten Leuten im Oasis, die uns im Laufe der Jahre ans Herz gewachsen sind.

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